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Zur Geschichte Engelthals

 

Erste Spuren der Besiedelung

Am Rande des Mühlangers im Südwesten Engelthals befinden sich die Reste von Grabhügeln aus der späten Bronzezeit (um 900 v. Chr.), die in der Keltenzeit (um 450 v. Chr.) noch einmal für Bestattungen genutzt wurden. Das spricht für eine zumindest zeitweise lokale Besiedelung, was auch für die anderen Grabhügel im Bereich des ganzen Hammerbachtals gelten dürfte. Es legt sich nahe, dass die letzteren Siedlungsspuren dem Einflussgebiet der Houbirg von Happurg zuzurechnen sind. Dabei handelt es sich um ein keltisches Herrschaftszentrum, welches ein Gebiet mit an die 30 km Radius kontrolliert haben dürfte.

Danach ist weit über ein Jahrtausend nichts aus dem Hammerbachtal zu erfahren, weder über seine Herren noch seine Bewohner. Menschenleer wird es aber nicht gewesen sein, da das nahe gelegene Hersbrucker Becken ein günstiges Durchgangsgebiet durch die Frankenalb zwischen Main/Regnitz einerseits und Vils/Naab/Donau andererseits darstellt: man gelangt gut von Weigenhofen nach Sulzbach und von Happurg nach Lauterhofen und Kallmünz. Bodenfunde aus dem Gebiet zwischen Hartmannshof und Altdorf, sowie der vorgermanische Name der Pegnitz, lassen den Schluss zu, dass die Besiedlung in der Region nach der Keltenzeit nicht abgerissen ist, und dass die einheimische Kultur in einem langsamen Übergang ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. von elbgermanischen Einflüssen nur überlagert, aber nicht vertrieben wurde.

Die Region wird fränkisch und christlich

Um 500 n. Chr. war die Frankenalb ein nicht genau umreißbares Grenzland zwischen dem erst entstehenden Volksstamm der Bayern zwischen Donau und Alpenland einerseits, und den merowingischen Franken, die das Maingebiet von Westen her in Besitz nahmen, andererseits. Da Bayern ab 550 von den Merowingern abhängig und 788 von den Karolingern unterworfen wurde, spielte nun keine große Rolle mehr, ob unsere Region mehr zu Franken oder zu Bayern gehörte. Aus Urkunden Karls des Großen von 805 und 806 können wir schließen, dass das Hammerbachtal damals Teil eines „Nordgau“ genannten Gebiets zwischen Forchheim, Lauterhofen, Premberg (Naab) und Ingolstadt war. Spätestens seit Mitte des 8. Jahrhunderts unterstand es also fränkischer Oberherrschaft, wenn es auch teilweise an die Bayern zu Lehen gegangen war.

Gleichzeitig trieben die angelsächsischen Brüder Willibald und Wunibald von Eichstätt aus im fränkischen Auftrag die Christianisierung nördlich der Donau voran, nachdem sich zuvor die bayerischen Bistums- und Klostergründungen auf den Raum südlich der Donau konzentriert hatten. Für das gesamte Maingebiet war dagegen das Bistum Würzburg zuständig gewesen, und erst mit der Gründung des Bistums Eichstätt im späteren 8. Jh. war unser Gebiet südlich der Pegnitz definitiv nicht mehr Würzburgisch. Die Ausgrabungen von Ermhof bei Hartmannshof belegen, dass spätestens um diese Zeit ostfränkische christianisierte Siedler aus dem Maingebiet in unsere Gegend kamen. Die institutionelle Christianisierung des Hammerbachtals erfolgte aber von Süden her, von der Mutterpfarrei Rasch und dann von Offenhausen aus, welches noch über Jahrhunderte alleinige Pfarrei im oberen Tal war.

Den ersten einheimischen Beleg für ein hiesiges fränkisches Besitzverhältnis haben wir in einer Urkunde aus dem Jahr 903 mit Nennung der Dörfer Sendelbach, Ottensoos und Theorinhova (abgegangen bei Rüblanden). Der die Urkunde zeichnende Liutpold war in jenen Jahren Graf des Nordgaus. Ab 1003 unterstand  der Nordgau keinem Markgrafen mehr, sondern wurde teilweise an Klöster vergeben, sowie das neu gegründete Erzbistum Bamberg, und teilweise vom König direkt für sich in Anspruch genommen und durch seine Dienstleute verwaltet. Letzteres gilt für das obere Hammerbachtal.

Vorgängersiedlung Swinach

Zur Zeit der salischen Kaiser im 11. Jahrhundert erfolgte von Westen her ein Siedlerstrom, der die Bevölkerungszahl verdoppelte. Das führte unter anderem dazu, dass der Eichstätter Bischof Gundekar II. viele Neubauten oder Erweiterungen von Kirchen weihte. Dazu gehörten – wohl in den Jahren zwischen 1057 und 1060 – auch die Kirche von Offenhausen sowie eine Kirche in Swinach an der Stelle der jetzigen Willibaldskapelle Engelthals.

Später, zur Zeit der Stauferkaiser, wurde Swinach als Sitz einer Dienstmannenfamilie bekannt, nämlich der Herren von Swinach, die für die Reichsministerialen von Königstein arbeiteten. Swinach dürfte dann auch bereits Ort der mitteralterlichen Eisenherstellung mit einem wassergetriebenen Eisenhammer gewesen sein, dessen Lage bei der ehemaligen „Hammerbrücke“ an der heutigen „Hammergasse“ erschlossen werden kann. Bei Swinach, vermutlich in unmittelbarer Nähe, befand sich auch ein Weiler namens Engelschalksdorf. Der Königsteiner Reichsministeriale Ulrich, der offenbar durch Erzgewinnung unter anderem im Hammerbachtal reich geworden war, erbaute vor 1238 die Burg Reicheneck. Von ihr ist heute ein kleiner Weiler zwischen Happurg und Kainsbach erhalten.

Vorläuferin des Klosters

Die Armutsbewegung der Bettelorden erfasste im 13. Jahrhundert auch Frauen in Nürnberg. Wo sie keine Aufnahme in Klöster fanden, bildeten sie als so genannte Beginen selbständige Gruppen. Eine solche Gruppe unterstand der Beginenmeisterin Adelheid Rotterin und war der Pfarrei von St. Lorenz zugeordnet. In der Zeit Kaiser Friedrichs II., der im Streit mit dem Papst lag, verließ diese Gruppe die Stadt und wurde von Ulrich von Königstein auf einem seiner Meierhöfe untergebracht. Sie errichteten dort eine Kapelle, die wiederum St. Lorenz geweiht wurde. Nach Aussage der Klosterchronik lebten sie dort vier Jahre bis 1241, dem Jahr einer großen Sonnenfinsternis.

Klostergründung

Der reiche Königsteiner wird verschiedene Gründe gehabt haben, ein Kloster zu stiften. In unsicherer Zeit legte er seine Besitztümer am Rande des Einflussbereichs des mächtigen Nürnberger Burggrafen zu einem Kloster zusammen, das dann durch päpstlichen und kaiserlichen Schutz unantastbar für begehrliche Nachbarn wurde. Natürlich war ein Kloster auch Prestigeprojekt, und nicht zuletzt Ausdruck einer Frömmigkeit, wie sie für die Zeit typisch war. Die Stiftung erfolgte in zwei Schritten. 1240 schenkte er den Frauen Engelschalksdorf zum Eigenbesitz, womit bereits der neue Name „Engelthal“ verbunden war, sowie der Plan, ein Gebetshaus zu errichten. Im Jahre 1243 – inzwischen war sein Enkel Ulrich verunglückt und unter den pflegenden Händen der Beginen gestorben – gab er ihnen auch das ganze Dorf Swinach, welches er allerdings sofort wieder von den Frauen zu Lehen nahm, wofür er ihnen Abgaben leistete. Swinach diente also einstweilen als rein finanzielle Einnahmequelle für das Kloster. Es dürfte recht bald mit dem Bau der Johanneskirche und erster Konventsgebäude begonnen worden sein. Auch die Annahme der dominikanischen Ordensregel (welche üblicher Weise Augustinus zugeschrieben war) erfolgte sehr bald und wurde 1244 vom zuständigen Eichstätter Bischof genehmigt. Nun konnte als erste Priorin Diemut von Gailenhausen gewählt werden, die 1248 in Lyon die endgültige Inkorporation in den Orden durch den Papst erreichte.

Klösterliche Blütezeit

Durch reiche Schenkungen der Erben des Klosterstifters, sowie von Adelsfamilien und von Nürnberger Patriziern stiegen die Besitzungen der Nonnen in den folgenden hundert Jahren gewaltig an. Bis 1350 besaß der Konvent fast 250 Anwesen in über 50 Orten. Wohl um die 100 Schwestern lebten im Kloster, dazu Bedienstete und Pfründner, die gegen Arbeit hier Wohnrecht auf Lebenszeit hatten. Die Agrarkrise in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts lähmte die Wirtschaftskraft des Adels. Die Schenkungen ließen nach. Doch das finanzkräftige Kloster konnte seinen Besitz erweitern und abrunden. So entstand im Hammerbachtal eine fast geschlossene klösterliche Grundherrschaft. Die Bedeutung des Klosters stieg nicht zuletzt durch einen Besuch des Königs Karl IV und seines Gefolges. Er ließ sich in Engelthal segnen, unterstellte das Kloster aber auch seinem Schutz. Eine Zeitlang war Engelthal nun Teil der direkt dem Kaiser gehörenden Region „Neuböhmen“. Auch wurden von Engelthal aus das Kloster Frauenaurach und das Nürnberger Katharinenkloster gegründet.

Die heute noch sichtbaren Strukturen des Klosterkomplexes entstanden erst im Laufe vieler Jahre. Die Einwölbung der Klosterkirche erfolgte wohl erst um 1265; die bis zu vier Meter hohe Ringmauer mit ihren drei Toren und einem Ringgraben entstand erst im 15. Jahrhundert. Der fast quadratische Kreuzgarten mit mächtigem Kreuzgang schloss sich südlich an die Kirche an; eine innere Mauer trennte die Klostergebäude der Klausur mit ihrem Klostergarten von den äußeren Wirtschafts- und Funktionsbauten. Denn an Stelle der alten Bauernhöfe der beiden Dörfer gab es nun Mühle, Schenke, Schmiede, Getreidespeicher, Ställe, Badstube und Schafferhaus.

Ort der Mystik

Gleichzeitig entstand in Engelthal, wie auch in anderen oberdeutschen Dominikanerinnenklöstern, eine umfangreiche religiöse Literatur. Sie wurde – teilweise durch Vermittlung von Heinrich von Nördlingen – etwa von Mechthild von Magdeburg und von Johannes Tauler geprägt. Damit kann Engelthal zur Bewegung der oberdeutschen Mystik gezählt werden. Überliefert sind u.a. die Schriften der Adelheid Langmann (1311-1375), des Kaplans Friedrich Sunder (1254-1328), und der Christina Ebner (1277-1356), die auch eine Klosterchronik verfasst hat, das „Büchlein von der Gnaden Überlast“. Darin findet sich neben der Gründungsgeschichte des Klosters eine Sammlung von Berichten aus dem Leben etlicher Mitschwestern. Dies sind die einzigen überlieferten Schriften dieser Art aus Mittelfranken und Oberpfalz. Die Frauen übten sich in Gebet, Gesang, Schweigen, Askese, Selbstkasteiung und Meditation, und erlebten dabei Zustände der Verzückung, in denen ihnen Christus begegnete, manchmal auch die Jungfrau Maria und verschiedene Heilige. Oft haben die tagebuchartigen Einträge die Form von Dialogen mit Christus. Man kann darin mit einiger Berechtigung literarisch geformte Darstellungen sehen, die auf anschauliche Art Frömmigkeit und Theologie vermitteln. Christina Ebner wurde – was besonders durch ihre eigene Familie gefördert wurde – nach ihrem Tode wie eine Heilige verehrt; man betete an ihrem Grab an der damaligen Treppe unter der Frauenempore.

Niedergang und Reformierungsversuch

Im 15. Jahrhundert erfolgten einige Herrschaftswechsel unter den verschiedenen Linien das Hauses Wittelsbach. Gleichzeitig verschlechterte sich der Ruf Engelthals. Das geistliche Leben wich angeblich den weltlichen Freuden. Aber auch die Bewirtschaftung scheint nicht glücklich verlaufen zu sein. Allerdings ist nicht klar, ob es sich bei solchen Einschätzungen um objektive Überlieferung oder um interessengeleitete gegnerische Propaganda handelt. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 gewann dann die Stadt Nürnberg die Landeshoheit über das Gebiet des Klosters. Die Stadt sah es als ihre Aufgabe an, in dem seit je her selbstbestimmten Kloster durch eine Reform Ordnung herzustellen. Dies geschah auch auf Betreiben des Papstes und des dominikanischen Ordensgenerals Cajetan, so dass Kaiser Maximilian, der dem Kloster zunächst seine Freiheiten lassen wollte, zuletzt ebenso auf die Linie der Reform einschwenkte. Nürnberg setzte zehn reformierte Nonnen aus dem Nürnberger Katharinen-Kloster ein und entfernte die Priorin Margarete von Kürmreuth. Als Nachfolgerin wurde Barbara Tucher eingesetzt. Der Rat setzte außerdem als Verwalter einen Pfleger ein. Er übernahm die Leitung der klösterlichen Wirtschaft. Es waren nun 327 Höfe und Güter in 66 Orten zu verwalten. Gegen heftigen Protest schaffte man 1514 die Urkunden und Salbücher des Klosters nach Nürnberg. Der Versuch der Reform führte zu schweren Auseinandersetzungen und war wenig erfolgreich.

Reformationszeit und Ende des Klosters

Ab 1522 förderte die Stadt Nürnberg in verschiedenen Maßnahmen lutherische Ideen und warb dafür auch in Engelthal. Der hiesige Dominikaner Jobst Kern, den die Ordensoberen wegen seiner evangelischen Predigt abziehen wollten, und der 1524 eine hiesige Nonne heiratete, wurde gerade deswegen durch Betreiben des Nürnberger Rats am Ort gehalten. Anfang 1525 führte die Stadt – als erste Reichstadt – endgültig den evangelischen Gottesdienst ein, so auch in Engelthal durch Entsendung eines lutherischen Pfarrers. Den Klöstern verbot man die Aufnahme von Novizinnen; sonst blieben sie unangetastet. In diesem reformwilligen Klima entschlossen sich kaum Bauern des Nürnberger Landes zur Teilnahme am Bauernkrieg. Die Reichstadt versuchte stattdessen auf die Beschwerden der Bauern einzugehen. So kam es in Engelthal einzig zur Plünderung des klösterlichen Fischweihers, woran zudem eher auswärtige Bauern beteiligt gewesen zu sein scheinen als diejenigen Engelthals. Dennoch wurden beim Ausbruch des Bauernkriegs zu Sicherheit alle Nonnen evakuiert; einheimische Bauern wurden mit dem Schutz der Gebäude beauftragt.

Noch einmal der 2. Markgrafenkrieg 1552 führte zur Evakuierung der Engelthaler Frauen in die Stadt. 1553 wurde Engelthal außerdem von markgräflich-ansbachischen Soldaten niedergebrannt. Nach beiden Kriegen kehrten nicht alle Nonnen zurück, was zu einer schnellen Dezimierung führte. Nur zehn Frauen kehrten in notdürftig hergerichtete Behausungen zurück. Die Kirche und weitere Konventsbauten wurden dann bis 1563 wieder errichtet. Man sah sich in jener Zeit gezwungen, die Funktionsgebäude des Klosters an Privatpersonen zu veräußern. Für den Pfleger schuf man in den Wirtschaftsgebäuden zunächst eine Notunterkunft. Nach dem Tod der letzten Nonnen sollte er in den Konvent einziehen. 1565 übergaben die beiden letzten Nonnen – die Priorin Anna Tucher und die Nonne Ursula Zeiß – dem Rat der Stadt Nürnberg offiziell den gesamten Besitz des Klosters. Sie fügten die Bestimmung hinzu, dass die Einnahmen des Klosters zukünftig für Pfarrdienst, Schulen und Armenhilfe benutzt werden sollten, wie es dann auch geschehen ist.

Engelthal als Dorf

Der Pfleger war jetzt allein für das umfangreiche Gebiet des Pflegamts Engelthal zuständig. Im Dorf selbst gab es nun sechs Bauernhöfe und sieben Köblergüter, darunter auch die Erbschenkstatt, die Schmiede und das Schafgut; ferner das Badhaus, die Pfistermühle und die Ziegelei. Die Erdfallmühle war schon immer gesondert behandelt worden. Für den Pfleger, der auch die umfangreichen jährlichen Zehntgaben einsammelte und unter dem Dach des einstigen Konventgebäudes lagern ließ, standen alle inneren Klostergebäude und der große Garten bis zur südlichen Ringmauer zur Verfügung. Sein Wohnhaus wurde als „Schloss“ ausgebaut, das allerdings einem Vergleich mit den Schlössern der Nürnberger Patrizier kaum standhalten konnte. Engelthal behielt als Sitz eines Pflegamts für das obere Hammerbachtal ein wenig von seiner alten Bedeutung. Es war sogar Mitbewerber für den Standort der neuen Nürnberger Universität, die aber dann 1622 Altdorf zugeschlagen wurde.

30jähriger Krieg

Die einschneidendsten Ereignisse erfolgten im 30jährigen Krieg. 1627 verlor der Kasten des Pflegamts bei einer Requirierungsaktion durch markgräflich-ansbachische Soldaten viele Wagenladungen an Getreide und anderen Gütern. Im selben Jahr fand der Engelthaler Pfarrer im damaligen Pfarrhaus (jetzt „Im Schloss 5“) alte Heiligenfiguren. Er stellte sie in der Willibaldskapelle auf und predigte eines Sonntags darüber. Das konnte als Annäherungsversuch an die katholischen Kriegsgegner verstanden werden, so dass die Aktion vom Nürnberger Rat sofort rückgängig gemacht wurde.

1632, bevor und während die große Schlacht um Nürnberg stattfand, fanden gleich mehrere Einquartierungen und Durchmärsche sowohl kaiserlicher als auch schwedischer Truppen im Hammerbachtal statt. Dies war immer mit Plünderungen und Gewalttaten verbunden. Im Klosterdorf lagen einmal 2200 Mann unter dem kaiserlichen Obristen Strotzi, später übernachtete Tillys Rittmeister Alexander du Bous mit einer Mannschaft mit 100 Pferden. Während der Belagerung Nürnbergs durch Wallenstein verfolgte der Schwedenkönig Gustav Adolf wenigstens zweimal kroatische Reitertrupps um das Hammerbachtal herum. Der Legende nach soll Peuerling Ort eines solchen Scharmützel gewesen sein: Hier, beim Kreuzstein am heutigen Sportplatz, soll der Schwedenkönigs mit seiner Leibgarde die kroatischen Diebe seiner Güter persönlich aufgerieben haben. Später brach im Tal eine erste Seuche aus. In diesem Jahr wurden 119 Menschen im Dorf bestattet.

1634 war vor allem die Burgbesatzung des Rothenbergs Urheber von Plünderung und Zerstörung; in diesem Jahr brannte Engelthal teilweise. 1635 waren es dann die Haufen einer durchziehenden polnischen Armee. Nun kam auch die Pest ins Hammerbachtal. Das ganze Amt Engelthal gehörte am Ende zu den überdurchschnittlich betroffenen Regionen. 15 Anwesen waren vernichtet oder beschädigt. Noch etliche Jahre danach erfolgten Belastungen durch durchziehende oder einquartierte Soldateska.

Wiederaufschwung

Immerhin wurden im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts sechs neue Handwerkeranwesen erbaut, teilweise außerhalb der Mauern. Eine Schule wurde bereits 1643 westlich an die Kirche angebaut, wo zu Klosterzeiten eine Westkapelle bestanden haben muss, und wo bei den Bauarbeiten ein Zinnsarg zu Tage kam. Das Gewerbe der Leinweber verlegte seinen Stammsitz um 1660 aus Offenhausen nach Engelthal in den „Goldenen Engel“, wo sich die Handwerker fortan halbjährlich zur Besprechung trafen. Sie kamen aus einem Umkreis zusammen, der über das „Amt Engelthal“ hinausging. Zwei Protokollbücher dieser Sitzungen haben sich bis heute erhalten. Einrichtungen wie diese „Innung“, wie wir sie heute nennen würden, trugen viel zur sozialen Stabilität bei.

Jedoch lassen sich erst im 18. Jahrhundert wieder Anzeichen von Wohlstand erkennen: Die Kirche bekam 1714 eine neue Orgel, deren Prospekt bis heute erhalten ist. Das Gebäude selbst wurde um 1750 im Stil eines späten, nüchternen Barock aufwändig umgestaltet und ausgemalt. Bereits um 1737 wurden das Pflegschloss und die Schlossgärten neu gestaltet. Neues Ackerland wurde durch Rodung erschlossen und verteilt. Zeugnisse einer einsetzenden umfangreichen Aufzeichnungs- und Ordnungstätigkeit durch die Pfleger sind erhalten, welche sich auf erhaltene Urkunden von vor dem Krieg berufen konnte.

Die ganze Region war zur Zeit der Koalitionskriege vom Durchmarsch der französischen Armeen betroffen. 1796 wurden auch nach Engelthal Soldaten verlegt; General Klein wohnte im Pflegschloss.

Königlich-bayerische Zeit

Mit der Stadt Nürnberg wurde Engelthal 1806 zu Bayern geschlagen, und das Pflegamt wurde aufgelöst. Dessen Gebäude wurden nach und nach verkauft und dabei in oft sehr kleine Wohneinheiten aufgeteilt. Viele Menschen lebten auf engstem Raum. Mehr Häuser entstanden außerhalb der Mauern. Auch freier Platz „im Schloss“ und unterhalb der Willibaldskapelle wurde verbaut, diese selbst ab 1811 als Scheune genutzt. 1842 wurde das neue Pfarrhaus errichtet. Kruppach wurde 1862 eingepfarrt. Ebenfalls 1862 und dann 1876 gründeten sich zwei Gesangsvereine, die sich später zum heutigen Männergesangsverein Liederkranz zusammenschlossen. 1883 entstand die Freiwillige Feuerwehr, wohl infolge des Großbrands beim Schäfbauern. 1889 gründete sich die bis heute bestehende Sterbekasse. Gegen Ende des Jahrhunderts besaß Engelthal keine volle Pfarrstelle, sondern bekam Pfarrverweser zugeteilt, die immer nur kurz dablieben. Aus der Klosterzeit hatten das Dorf und die Kirche in Engelthal einige Rechtsansprüche, die sich nun an das Königreich Bayern richteten. Weil es dabei immer wieder zu Streit kam, einigte man sich im Jahr 1900 mit einem Vergleich: Bayern baute für die Gemeinde einmalig eine neue Wasserversorgung, und übernahm hinfort die Kosten für den Friedhof ganz. Auf alle anderen Rechte verzichtete dafür die Gemeinde. Private Holz- und Wasserrechte bestehen aber teilweise bis heute.

Das 20. Jahrhundert

Weitere Vereine und Chöre, und die Parteien-Ortsvereine entstehen in Lauf der Jahrzehnte. Der Nürnberger Heilstättenverein eröffnet bereits 1899 auf der Flur „Weinleite“ eine Lungenheilanstalt. Sie wird ab 1931 von der Diakonie Neuendettelsau als Pflegeanstalt für „Nervengeschädigte“, also geistig Kranke und Behinderte, genutzt. Die Insassen erleiden 1941 unter der Nazi-Herrschaft die Verschleppung; viele von ihnen werden am Ende ermordet. Die Gebäude werden dann bis Kriegsende für die Kinderlandverschickung verwendet, danach als Quartier der amerikanischen Armee, und wieder als Lungenheilanstalt, als Sanatorium und 1973 als Bezirkskrankenhaus für psychisch Kranke (heute Frankenalbklinik). Das Kriegsende tritt für die Engelthaler am 16. April 1945 ein, als die Amerikaner einmarschieren und mit weißen Flaggen begrüßt werden – ausgerechnet während einer Beerdigung. 29 Engelthaler waren im Krieg gefallen. Kriegsgefangene Arbeiter verlassen nun das Dorf. Später werden im Dorf Flüchtlinge und Heimatvertriebene untergebracht. Nicht alle von ihnen bleiben langfristig, da es wenig Arbeit gibt. Aber die Katholiken unter ihnen bilden eine neue Pfarrgemeinde, welche 1952 ihre eigene St.-Willibaldskirche errichtet. Fuhrunternehmen entstehen nach dem Krieg, und überhaupt erfolgt der Strukturwandel weg von der Landwirtschaft. Für den Straßenbau hatte schon 1914 das „Schaftor“ weichen müssen; auch andere Teile der Ringmauer verschwinden nun. 1963 treibt der Dorfhirte zum letzten Mal die Engelthaler Rinder auf die Hutänger hinaus. Seit der Gebietsreform 1972 gehören Sendelbach mit Krönhof, Kruppach und Prosberg zur Gemeinde Engelthal. Eine moderne Schule wird 1965 eingeweiht und 1973 ein kirchlicher Kindergarten, der 1997 um ein Gemeindehaus erweitert wird. Seit der Wiedereinweihung 2005 ist die Willibaldskapelle wieder als gottesdienstliches, aber auch gesellschaftliches Gebäude nutzbar.

Matthias Binder

Verwendet wurden die unter „Literatur“ genannten Beiträge und Quellen.